Offenstall-Spezial

Offenstall planen und bauen

Aktiv- und Bewegungsställe gewinnen seit Jahren an Beliebtheit. Besonders die automatisierte Fütterung und Selektion machen sie arbeitswirtschaftlich sehr interessant und garantieren gleichzeitig eine individuelle Fütterung. 

Pferdebetrieb: Was hat Sie dazu bewegt, Offenställe zu bauen?

Carola Brandt, Schauer Agrotronic: Persönlich hatte ich schon mit meinen Eltern unsere Pferde im Herdenverband und Offenstall gehalten. Die spätere Arbeit im therapeutischen Reiten veranlasste mich, dieses System noch zu verbessern, da ich in meiner Arbeit auf ausgeglichene und gesunde Pferde setzte. Allerdings ließ das Fütterungs- , Bewegungs- und Arbeitsmanagement im „normalen Offenstall“ sehr zu wünschen übrig: Wir fütterten von Hand, und es gab kein Bewegungskonzept. 

Daher bauten wir unseren Bewegungs-/ Aktivstall: Durch den Einsatz der Technik von Schauer und einem Bewegungsstallkonzept erreichten wir ein optimales Ergebnis. Unser Stall besteht seit nunmehr 11 Jahren und die Nachfrage ist ungebrochen.

In meiner beruflichen Tätigkeit bei der Firma Schauer war und ist der Bewegungsstall mein „Steckenpferd“, da wir hier durch die verwendete solide Technik, die Produktion und Entwicklung im eigenen Haus, den Ausbau des Servicenetzwerkes und einfach tolle Kunden, die uns durch ihr Feedback weiter bringen, ein Aufgabenfeld bearbeite, bei welchem das Ergebnis zufriedene Pferde und somit zufriedene Menschen sind. 

Pferdebetrieb: Was muss baulich beachtet werden, um ein gutes Herdenmanagement garantieren zu können?

Carola Brandt: Die Hauptpunkte sind immer: Platz- und Fressplatzangebot. Die Auslaufgröße, eine gute Strukturierung mit Rückzugsmöglichkeiten (z.B. mehrere Liegeflächen, Rundwege, Raufutterbereiche, etc.) und das auf die Herde abgestimmte Fressplatzangebot sind ein Muss. Die Einhaltung der Richtlinien ist für uns in der Planung selbstverständlich. Ebenso die Vermeidung von Gefahrenquellen wie Sackgassen oder gefangenen Ecken. Hinzu kommen Erfahrungswerte aus vielen Projekten, die wir gerne an unsere Kunden weiter geben.

Alle baulichen Kriterien hier zu nennen, würde den Rahmen sprengen, daher anbei eine kleine Liste mit Punkten, die es zu beachten gilt:, Arbeitswirtschaf, Lager, Miststätte, Wegeführungen, Bausubstanz, Statik, Brandschutz, Nutzungsänderung, mögliche Öffnungen (mehr Licht und Luft, Durchfahrten), Höhen und Windrichtung.

Pferdebetrieb: Der Bau von Offenställen ist seit vielen Jahren im Trend. Welche Entwicklung hat er genommen?

Carola Brandt: Dem Offenstall hing früher das „Schmuddel-Image“ an, denn jeder verstand darunter eine Weidehütte mit im Schlamm versinkenden Pferden. Diese haben sich zu modernen Aktiv- und Bewegungsställen entwickelt und punkten mit befestigtem Böden, einem ausgeklügelten Fütterungsmanagement und sinnvoller Arbeitswirtschaftlichkeit. Hier liegt für mich auch ganz klar ein Unterschied in der Begriffsdefinition: Der Offenstall gewährt den Pferden ein Leben in der Herde, verzichtet aber auf ein Bewegungs- und Fütterungskonzept, währen der Aktiv- und Bewegungsstall die Pferde individuell –mit Hilfe der Technik – versorgt und hinsichtlich Bewegungskonzept und Arbeitswirtschaftlichkeit noch einmal mehr durchdacht ist. Das ist für professionell arbeitende und größere Betriebe unverzichtbar. Der Nutzung der Technik stehen manche Stallbetreiber immer noch skeptisch gegenüber, diejenigen aber, die sie nutzen, möchten darauf nicht mehr verzichten. Das zeigen die vielen Betriebe, die vor einigen Jahren mit diesem Konzept gestartet sind und nun ausbauen. Auch wenn ein Generationswechsel in den Pensionsställen ansteht, möchten die jungen Leute etwas verändern. Ein Kunde sagte: „Ich will nicht nochmal 40 Jahre so weiter wurschteln.“ Daher sehe ich die Entwicklung klar hin zu noch mehr Professionalität.

Pferdebetrieb: Haben Sie Prognosen für die Zukunft des Offenstalls?

Carola Brandt: Mit Prognosen bin ich sehr vorsichtig – selbst die Wirtschaftsweisen haben sich schon geirrt.

Aber selbst für den Privathalter mit nur wenigen Pferden am Haus lohnt sich der Einsatz von Technik und einem guten Konzept, wenn man einmal die Arbeitszeiten rechnet. Die Flexibilität steigt enorm und man hat noch Zeit dem eigentlichen Hobby – dem Reiten –  nachzugehen.

Pensionspferdebetriebe, die zu ihren Boxen einen Bewegungsstall errichtet haben, bauen der Erfahrung nach eher den Bewegungsstall, als die Boxen aus, wenn sie erweitern. Da der Freizeitbereich im Reitsport immer mehr Raum einnimmt, kann ich mir auch hier eine Tendenz hin zu mehr offenen Haltungsformen vorstellen. Nachdem auch die Vorbehalte gegen diese Haltungsform durch mittlerweile viele sehr gut geführte Ställe ausgeräumt werden konnten, haben neu entstehende Betriebe einen viel leichteren Einstieg, als wir damals. Sie können auch auf die bereits gemachten Erfahrungen zurückgreifen und nachfragen, müssen also das „Rad nicht neu erfinden“.

Die Stallform wird sich weiter entwickeln und durch die Zusammenarbeit von Universitäten, Tierärzten, usw. können neue Erkenntnisse gewonnen werden, die es dann wieder in die Praxis umzusetzen gilt –ein spannendes Feld und schier unerschöpflich. So arbeiten wir bei der Firma Schauer derzeit wieder an der Erweiterung unseres Fütterungsprogramms (TOPO), bei welcher wir Anregungen sowohl von Kunden, als auch den Wissenschaftlern verarbeiten und einflechten, um noch individueller auf die Bedürfnisse der Pferde und Stallbetreiber eingehen zu können.

Zu beobachten ist auch, dass immer mehr Reitschulen für ihre Schulpferde dieses Konzept entdecken. Auch hier wird es künftig noch Einstellungen am TOPO – abgestimmt auf den Bedarf eines Schulbetriebes – geben.

Damit unsere Ställe für die Anforderungen der Zukunft gerüstet sind (z.B. immer ältere Pferde, Allergiker, usw.), gestalten wir die Konzepte so flexibel, dass auch auf sich verändernde Variablen bezüglich der Herdenkonstellationen, des Fütterungsmanagements und vieles mehr reagiert werden kann.

 


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